Von der Finanzierung des Wunschstudiums

Bildung ist inzwischen eine Ware unter vielen. Da ist es nur logisch, dass sich auch die Verbraucherzentralen inzwischen des Themas Studium angenommen haben. In einem neu erschienenen Ratgeber können Abiturient/innen, Studierende und ihre Eltern nachlesen, was ein Studium kostet und wie die Mittel dafür aufgebracht werden können.
Grundlage jeder Kalkulation sind zunächst die Kosten. Die Autorin Sina Groß gibt zunächst einen Überblick über die Lebenshaltungskosten, die den größten Kostenfaktor ausmachen. Rund 8500 Euro muss die Durchschnittsstudentin dafür im Jahr berappen, laut Sozialerhebung des Studentenwerkes. Neben Miete, Lebensmittel und Fahrkosten müssen etwa Lernmaterialien und Versicherungen bezahlt werden.

Bundesländer im Preisvergleich

Lebenshaltungskosten bedeuten selbstverständlich kein neues Problem, Studiengebühren sind es allerdings schon. Ein Kernstück des Buches ist deshalb die transparente Darstellung der Gebührenlage an den staatlichen Hochschulen in den verschiednen Bundesländern. Hier findet die Leserin eine verständliche Übersicht, welche Gebühren jeweils erhoben werden: ob fürs Erststudium oder erst für Zweit- oder Aufbaustudien, welche Rolle die Studiendauer spielt, ob Landeskinder auch zahlen müssen und wer von der Gebührenpflicht befreit ist, welche Darlehensmodelle existieren, etc. Deutlich werden die markanten Unterschiede. Während in NRW bereits Erstsemester 500 Euro zahlen müssen, leisten sich Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen die kostenfreie akademische Erstausbildung. Andere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz bitten nur Langzeitstudierende oder Nicht-Landeskinder zur Kasse. Neben fachlichen Gesichtspunkten wird die Kostenfrage zukünftig eine immer wichtigere Rolle bei der Entscheidung für einen Studienort spielen. Umso wichtiger, sich genau zu informieren!

Woher nehmen..?

Der zweite Abschnitt des Buches ist der Einnahmenseite der studentischen Kalkulation gewidmet. Bafög, Stipendien, Studienfonds, Studienkredite – dazu werden jeweils Zielgruppen, Voraussetzungen, Antragsverfahren, Finanzierungsmodalitäten und Rückzahlungsregeln genannt. Auch Antworten auf detaillierte Fragen ist her zu finden. Etwa: wie lassen sich Auslandsemester finanzieren? Was geschieht bei einem Studienwechsel oder Studienabbruch?
Wie von der Verbraucherzentrale erwartet werden darf, werden Plus- und Minuspunkte aufgeführt, die mit den verschiedenen Modellen jeweils verbunden sind. Mit Hinweisen, wo Verschuldungsrisiken und Zinsfallen lauern können. Gerade hier empfehlen sich der akribische Vergleich und eine genaue Kostenanalyse der Finanzierungsangebote.

Kaum eine Studentin wird jedoch alleine von staatlicher Förderung und privater Unterstützung ihren Lebensunterhalt fristen. Studentische Jobs halten ganze Wirtschaftszweige in Gang, aus der Gastronomie sind die Aushilfskellnerinnen gar nicht mehr weg zu denken. Das Kapitel „Jobben“ beschreibt, wann dabei Steuern und Sozialversicherungsbeiträge fällig werden.

Abgerundet wird das Buch von Hinweisen zu Sozialleistungen (Wohngeld, Sozialgeld) und Rabatten, bzw. Vergünstigungen, die Studierende in Anspruch nehmen können. Der Ratgeber listet ebenfalls auf, welche Konditionen die Krankenversicherungen u. ä. den Studierenden einräumen. Der Serviceteil gibt Tipps zu Beratungsstellen und sachdienlichen Internetadressen.

Zur Neutralität verpflichtet

Insgesamt ist „Clever studieren“ eine kompakte, aktuelle und leicht verständliche Einführung in die Finanzierung des Wunschstudiums. Die neutrale Position der Verbraucherzentralen garantiert eine unabhängige Information der Bildungskunden. Dabei profitieren die Leserinnen von der fachlichen Kompetenz der Beratungsstellen.
Wirklich clever studieren heißt also, sich als erste Entscheidungshilfe bei Studienwahl und -finanzierung den vorliegenden Ratgeber zu besorgen. Die Rolle des kritischen Bildungskunden will schließlich erlernt werden.
(Anne Schulz)

Clever studieren – mit der richtigen Finanzierung, 1. Auflage, herausgegeben von der Verlagsgemeinschaft Stiftung Warentest und Verbraucherzentrale NRW, Düsseldorf, September 2006, ISBN-10: 3-938174-45-5, 189 Seiten, 9,90 Euro
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