Die Kölner Filmgeschichte anschaulich erzählt
Einfach ein schönes Buch

Als Neuerscheinung zur Buchmesse legt der Emons Verlag "Köln im Film, Filmgeschichte(n) einer Stadt" vor. Herausgeberinnen sind Christa Aretz und Irene Schoor.
Köln im Film, Filmgeschichte(n
einer Stadt
Köln als Medienstandort, klar, das kennt jeder. Die Geschichte Kölns in Filmen wurde bisher noch nicht erzählt.
In dem neu erschienenen Band arbeiten neun Autor/innen hundert Jahre Filmgeschichte auf. Von den ersten cinematographischen Aufnahmen des Doms, über die prunkvoll ausgestatteten Kinopaläste der Stummfilmzeit, den nationalsozialistischen Propagandafilm, die gesucht harmlosen Nachkriegeskomödien, die linke, politische Filmszene bis zur heutigen Fernsehhauptstadt. Als Ziel des Buches wird im Vorwort benannt, "das Filmschaffen in Köln in den Kontext der Stadtgeschichte zu setzen und herauszuarbeiten, inwieweit soziale und politische Probleme und Auseinandersetzungen in Filmen ignoriert oder gar verschwiegen wurden ... oder Filmemacher antraten, sie mit ihren cineastischen Mitteln zu dokumentieren oder gar zu verändern ..." Und diese Absicht wird umgesetzt, Stadtgeschichte im Spiegel des Films anschaulich erzählt.

Mehr als 6000 Filme aus und über Köln hätten sie entdeckt, so das Autorenteam, und davon über 1200 gesichtet. Stoff genug für amüsante und interessante Geschichten. Wie die von den roten Funken, die 1932 zum Wohl karitativer Spendensammlungen vor laufender Kamera einen gewissen Dr. Geiz jagen. Das Buch bleibt aber nicht im Lokalpatriotischen verhaftet, sondern berichtet auch von kulturpolitischen Debatten. Von Peter Lorre, der 1951 im politischen Forum der Ludwig-Buchhandlung im Kölner Hauptbahnhof über die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und den Nachkriegsfilm diskutiert. Über den Polizeieinsatz 1968 gegen das XScreen-Festival, bei dem alle 26 Filme beschlagnahmt werden und das Publikum nur gegen Ausweiskontrolle den Kinosaal verlassen darf. Oder über den gescheiterten Versuch 1990, der Stadt ein großes Filmfestival zu verordnen.
Die Verbundenheit des Autorenteams mit der selbst organisierten, experimentellen Film- und Videoszene ist nicht nur in den Biografien ablesbar. Die Schilderung der 70er/80er Aufbruchstimmung zeugt von Insiderkenntnis und einem von Sympathie getragenen Blick auf die Avantgarde. Viele der heutigen Protagonist/innen der Kölner Medienszene werden so in ihren Anfängen vorgestellt.
Das Buch betrachtet dabei alle Genres, Dokumentarfilme ebenso wie Musikclips, Werbespots, Kinoerfolge - etwa "Der bewegte Mann" - oder in Köln spielende Fernsehserien.

Neben sorgfältiger Recherche besticht der Band durch eine liebevolle Illustrierung. Faksimile von Programmankündigungen, Filmplakate und Szenenfotos machen die Lektüre zum kurzweiligen Genuss. Und zwar nicht nur für eingeschworene Filmfans oder Berufskölner, sondern auch für alle, die sich für lebendig erzählte Alltags- und Kulturgeschichte interessieren. Also ein Buch wie geschaffen für Leseabende im verregneten Herbst und: unbedingt vormerken für den nächsten Wunschzettel! (Anne Schulz)

Das Buch umfasst 380, reich bebilderte Seiten und kostet 24,50 Euro.
Köln im Film, Filmgeschichte(n) einer Stadt, herausgegeben von FilmInitiativ Köln, e.V. Christa Aretz, Irene Schoor, Emons Verlag Köln, 2004, ISBN 3-89705-344-6. Die Veröffentlichung wurde durch die Imhoff-Stiftung gefördert.


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