Journalismus in Bildern

München - Rolf Sachsse, Bildjournalismus heute, Beruf, Ausbildung, Praxis, List Verlag, Journalistische Praxis, München, 2003, ISBN 3-471-77269-3
Das Buch wendet sich an Berufseinsteiger wie an Bildjournalisten, mit der Eingrenzung auf Fotografie *. Kameraleute, oder solche die es werden wollen, müssen also auf andere Publikationen zurückgreifen. Der Titel Bildjournalismus ist durchaus programmatisch gemeint - denn Fotografen sind für Sachsse mehr als bloße Bilderlieferanten: "Es geht um visuelle Nachrichten in der Vermittlung über technische Medien mit dem Schwerpunkt Fotografie." Der Autor Dr. Rolf Sachsse ist Professor für Fotografie und elektronische Bildmedien an der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld.

Das erste Kapitel ist der Beschreibung des Berufsbildes gewidmet, schlicht der Frage: Was tun Bildjournalist/innen? Und das ist mehr als Bildermachen - denn sie recherchieren nicht nur im Vorfeld, sondern sie vermarkten das Material auch in der Regel eigenständig. Festangestellte Fotografen sind heute in der großen Minderheit. Und diese vielfältigen Aufgaben, die Bildjournalist/innen erfolgreich bewältigen müssen, liefern die Gliederung der folgenden Kapitel: Das Bild - Der Text - Die Technik - Der Computer - Das Geschäft - Das Recht. Da geht es ganz praktisch um Bildgestaltung und Laborarbeiten, aber auch um Presseausweise und Urheberrecht, um Honorare, Ausrüstung und Agenturen, um journalistische Ethik, Archive, Kalkulationen und Bildunterschriften. Und es werden die Medien mit ihren unterschiedlichen Arbeitsstrukturen dargestellt: von der Lokalredaktion über (Fach-)Magazine bis hin zur PR.
Bei diesen vielfältigen Berufsanforderungen sind Kontakte und Netzwerke besonders wichtig, deshalb ist Berufverbänden, Fachzeitschriften, Messen ein weiterer Abschnitt gewidmet. Es finden sich auch Hinweise auf Versicherungen, Verwertungsgesellschaften, Stipendien, Wettbewerbe - also Informationen, die den konkreten Alltag der Freiberufler erleichtern helfen. Im Anhang sind z.B. Allgemeine Liefer- und Geschäftsbedingungen, Tarifverträge für Freie, Ausbildungspläne für Volontär/innen, usw. abgedruckt.

Wer sich nach der Lektüre immer noch traut, einen so vielfältigen und fordernden Beruf zu ergreifen, für den wird der Berufseinstieg über Berufsausbildung, Studium oder als Autodidakt geschildert. Die Wege sind vielfältig: Ausbildung zum/zur Fotograf/in; Besuch einer Berufsfachschule; Volontariat; Design-, Fotografie-, Multimedia- Studium oder die Qualifizierung für Autodidakten durch Fortbildungen. Sachsse führt die verschiedenen einschlägigen Studienangeboten und Berufsfachschulen auf und nennt Ausbildungsschwerpunkte.
Er sieht die Vorteile einer Berufsausbildung (bei der es zunehmend schwerer wird, einen Ausbildungsplatz zu bekommen): "Zum Anfang einer breiten Ausbildung ... sei die Lehre oder das Praktikum empfohlen, trotz aller Probleme. Dies sollte aber den Beginn einer Ausbildung markieren, nicht das Ende." und kommt zu dem Urteil: "Ohne ein nachfolgendes Studium ist die praktische Lehre heute nahezu wertlos.".
Als Pluspunkte der Studiengänge führt er die Freiräume auf, die "für ein tieferes Verständnis berufstypischer Zusammenhänge notwendig sind - das Versinken in täglichem Trott folgt später noch früh genug.".
Nachteil ist für ihn, dass ein Studium "prinzipiell keine höhere Berufsqualifizierung darstellt als eine gute handwerkliche Ausbildung oder einige Jahre autodidaktischer Praxis; dies müssen Studienabsolventen oft hart erfahren." - etwa dann, wenn sie bei der Bewerbung gefragt werden, ob sie denn auch "schnelles und aktuelles Arbeiten" gelernt hätten.
Insofern scheint der Ausbildungsgang, den Sachsse selber absolviert hat, der beste Weg: zunächst eine Fotografenlehre und dann anschließend ein Studium. Es wird aber auch klar festgestellt, dass keine Qualifizierungsstrategie letztendlich Erfolg garantiert. Sachsse empfiehlt deshalb zwei Gesichtspunkte zu beachten: "eine breite Fundierung" und eine "Spitzenleistung in einem Spezialgebiet".

Bleibt noch eine Frage zu klären: Ist "Bildjournalismus heute" eine Neuerscheinung?! In der so genannten "Gelben Reihe" des List Verlages zur journalistischen Praxis wurde zuvor der Band "Bildjournalismus" angeboten. Herausgeber war ebenfalls Rolf Sachsse, die einzelnen Kapitel wurden jedoch von insgesamt elf Autoren beigesteuert. Abgesehen von notwendigen, aktuellen Ergänzungen im Bereich der Digitalisierung ist das neue Buch wesentlich klarer strukturiert und aus einem Guss, da macht sich die einheitliche Handschrift positiv bemerkbar. Inhaltlich gibt es natürlich starke Überschneidungen, denn so entscheidend hat sich der Beruf des Bildjournalisten in den letzten Jahren nicht verändert. Wer also die alte Ausgabe im Bücherschrank hat, sollte selber prüfen, ob sich die Neuanschaffung lohnt. Allen anderen, die sich für das Thema "Journalismus in Bildern" interessieren, sei das Buch als Einstieg und Arbeitshilfe empfohlen. "Bildjournalismus heute" umfasst 304 Seiten und kostet 20 Euro.
(Anne Schulz)

* Dazu die weg- und nicht von der Hand zu weisende Bemerkung: "Fotografie wird in diesem Buch mit "F" geschrieben, es könnte auch Photographie mit "Ph" heißen. Wofür Sie sich entscheiden, ist egal, nur: Es sollte vorn und hinten identisch sein" (!)

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