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Meldung
Wer braucht 364 Kulturvermittlungs-Studiengänge?
Das Projekt "Studium und Arbeitsmarkt Kultur" beleuchtet die stattliche Anzahl der Studienangebote und fragt danach, wo die Absolventinnen arbeiten. Eine Neuerscheinung informiert über die Ergebnisse.

Das Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft hat Studiengänge der Kulturvermittlung unter die Lupe genommen. Das Forschungsprojekt »Studium Kultur und der Arbeitsmarkt für kulturvermittelnde und interkulturelle Tätigkeitsfelder« wurde von 2008 bis 2011 durchgeführt. Ziel war, Transparenz über die Studienangebote herzustellen und den Arbeitsmarkt in diesen Tätigkeitsfeldern zu beleuchten. Auch eine "Intensivierung des Dialogs zwischen Akteuren des Arbeitsmarktes" und der Hochschulen sollte erreicht werden.

Studium der Kulturvermittlung

Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt publiziert und geben Einblick in ein Studiensegment, das in den letzten Jahren gewachsen ist. Zur Kulturvermittlung gehören z. B. Studiengänge der Kulturwissenschaft(en), Kulturmanagement, Kulturpädagogik, Kulturjournalismus, Interkultur etc. Ein Teil dieser Studienangebote hat einen Spartenbezug zu Feldern wie Medien, Musik, Literatur, bildende Kunst, Museum usw. Die schiere Anzahl der Angebote von 364 beeindruckt. Wer sich einen Überblick verschaffen will, kann dazu die Online-Datenbank nutzen, die das Projekt entwickelt hat.

Über 40% FreiberuflerInnen

364 Studiengänge - das wirft selbstverständlich die Frage auf, ob und wo die Absolvent/innen dann einen Job oder eine freie Tätigkeit finden. Arbeitsfelder können etwa in Bibliotheken, Museen, Theatern, soziokulturelle Zentren oder auch Jugendkunstschulen liegen. Die Arbeitsmarktchancen werden von den AkteurInnen aus Hochschule und Institutionen /Unternehmen ganz unterschiedlich beurteilt. Ob die Zahl der Studienplätze dem Bedarf des Arbeitsmarktes entspricht, dazu wollen oder können viele Befragte keine Aussage treffen. Gegenläufige Einschätzungen werden von zwei weiteren, etwa gleich großen Gruppen vertreten: einerseits dass die Studienplatzzahl dem Arbeitsmarkt entspricht bzw. andererseits, dass sie höher ist als der Bedarf. Nur eine kleine Gruppe sieht den Bedarf an noch mehr Studienplätzen. Kein wirklich einheitliches Bild also.

Interessante Ergebnisse über den Arbeitsmarkt haben die Befragungen und ExpertInnen-Gespräche geichwohl zutage gebracht. So geben Institutionen der Kulturvermittlung an, dass die Arbeitsstruktur sehr stark von Freiberuflichkeit geprägt ist. Nur 57 % der MitarbeiterInnen arbeiten fest angestellt, 43 % sind freie MitarbeiterInnen.

Kulturvermittlung oder Spartenstudium?

Die Qualifikationen der Fachkräfte bestehen häufig aus geisteswissenschaftlichen Studienabschlüssen. Eher selten sind jedoch AbsolventInnen der Kulturvermittlung anzutreffen. Derzeit haben nur rund 22 % Kulturvermittlung studiert. Und noch prägnanter: "Drei Viertel der befragten kulturellen Organisationen beschäftigen keine AbsolventInnen der Kulturvermittlung."
Als allgemeine Gründe werden genannt: fehlende Bewerbungen, Probleme der Finanzierung. Es gibt aber auch studienspezifische Einschätzungen. Etwa, dass derzeit kein Bedarf an AbsolventInnen der Kulturvermittlung bestehe bis zu der Aussage, dass AbsolventInnen spartenspezifischer Fachdisziplinen bevorzugt würden.
Ob sich die Absolvent/innen der Kulturvermittlungs-Studiengänge zukünftig stärker durchsetzen, wenn die Studiengänge bekannter geworden sind, bleibt abzuwarten. Bisher scheinen die Arbeitgeber ihren Bedarf mit anderen Fachkräften gut abdecken zu können.


Die Zukunft: Freiberufler/innen und private Institutionen?

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes wird zukünftig noch stärker von Freiberuflichkeit geprägt sein, so die Einschätzung der befragten Akteure. Arbeitsbereiche, in denen "Vernetzung/Kooperation, Projektmanagement, Programmplanung" eine Rolle spielen, gewinnen aus ihrer Sicht an Bedeutung. Dabei wird eine Verschiebung von öffentlichen Einrichtungen hin zu privaten/gemeinnützigen Institutionen erwartet.

Die Studie liefert einen systematischen Überblick über das weitgefächerte Studienangebot. Die Lektüre der Forschungsergebnisse dürfte insbesondere für diejenigen interessant sein, die ihre berufliche Zukunft in der Kulturvermittlung sehen. Für Studierende wird manches Ergebnis ernüchternd sein. Der Blick auf die (derzeitige) Praxis kann jedoch bei der realistischen Einschätzung von Arbeitsmarktchancen helfen. Bildungsplaner/innen gerade im Hochschulbereich gibt die Studie reichlich Stoff zum Nachdenken.
Die Antwort, ob 364 Studiengänge gebraucht werden und wo die AbsolventInnen ihre Qualifikationen wirklich einsetzen können, wird je nach Perspektive vermutlich sehr unterschiedlich ausfallen.

Die Ergebnisse der Studie, die auch auf der Arbeitsmarktkonferenz Medien und Kultur im Januar 2012 vorgestellt wurde, sind jetzt nachzulesen. Herausgegeben wurde die Publikation von der Projektleiterin Ulrike Blumenreich. »Studium – Arbeitsmarkt - Kultur. Ergebnisse des Forschungsprojektes« ist 2012 neu erschienen, umfasst 399 Seiten und kostet 17 Euro.
(as)


Datenbank: www.kupoge.de/ifk/studium-arbeitsmarkt-kultur/datenbank

Publikation »Studium – Arbeitsmarkt - Kultur. Ergebnisse des Forschungsprojektes«
www.kupoge.de/ifk/studium-arbeitsmarkt-kultur/publikation



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