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Meldung
Zwischen Leinenausgaben und Hörbuch: die neue Ausbildung im Buchhandel
2011 tritt die neu geordnete Ausbildungsordnung für den Beruf der Buchhändler/innen in Kraft. Ein wichtiges Element: die Digitalisierung.

Wer heute eine Buchhandlung betritt, findet mehr als gedruckte Bücher: Lernsoftware, Hörbücher, Spielzeug, Zeitschriften, Postkarten und - je nach Jahreszeit - hübsch verpackte Teedosen, sinnreich beschriftete Schokoladentafeln oder Papieranhänger. Das Sortiment wächst und es wird digitaler.
Mit der Neuordnung reagiert die Branche auf eine Entwicklung, die den Buchhändler zum "Medienhändler und Informationsdienstleister" werden lässt, wie es der NRW-Landesverband des Deutschen Buchhandels beschreibt.
Zurzeit erlernen ca. 2000 Auszubildende den Beruf. 85% von ihnen sind Frauen. Traditionell wird der Beruf in Buchhandlungen (Fachrichtung Sortiment), in Antiquariaten und Verlagen ausgebildet. Dabei ist der Anteil der Verlagshäuser mit 6% unter den Ausbildungsbetrieben relativ gering, da dort Medienkaufleute Digital und Print (früher Verlagskaufleute) ausgebildet werden. Die bisher bestehende Ausbildungsordnung für die Buchhändler/innen stammt aus dem Jahr 1998, ist also für die Verhältnisse der beruflichen Bildung nicht völlig überaltert. Dennoch wurde von Fachleuten ein Änderungsbedarf erkannt.

Nicht nur, aber auch: konsequent digital

Wichtige Themen der Neuordnung sind Vertriebsstrukturen und Kundenorientierung. Gerade die neuen Vertriebswege, die sich durch E-Business eröffnen, stellen die Buchhandlung um die Ecke vor neue Fragen. Wie verkauft man Romane in Form von E-Books? Was ist, wenn ein Kunde ein Buch bestellt, das "on demand" gedruckt wird? Womit lassen sich Kundinnen überhaupt noch überzeugen mit ihren Bestellungen nicht komplett ins Netz abzuwandern? Sicherlich ein Grund, Marketing und Beratungskompetenz in der Ausbildung stärker zu betonen. Buchhändlerinnen sind zwar schlichte Einzelhändler, aber sie übernehmen ja auch eine Kultur vermittelnde Rolle. Oder, wie es in der neuen Berufsbeschreibung heißt, das "Umsetzen des kulturpolitischen Auftrags". Sie kooperieren dafür mit "Bildungs- und Kultureinrichtungen", arbeiten mit Autoren zusammen, in dem sie etwa Lesungen organisieren.
Die neue Ausbildungsstruktur soll zudem Betrieben im Versandbuchhandel oder Online-Shops ermöglichen, auszubilden. So gehört jetzt zum Profil: "Bücher, Zeitschriften sowie sonstigen Medien in gedruckter und digitaler Form" zu verkaufen. Damit wird der Wandel hin zu einem Angebot deutlich, das durchgehend aus gedruckten wie digitalen Produkten bestehen kann. Die neuen Buchhändlerinnen können also ebenso versiert die in Leder gebundene Ausgabe der klassischen, griechischen Literatur verkaufen wie die entsprechende Hörbuchfassung, das Lehr- und Lernspiel zum Thema, etc. In der alten Ausbildungsordnung war an dieser Stelle noch von "Büchern, Zeitschriften und elektronischen Medien" die Rede.

Die neue Struktur

Die drei fachlichen Schwerpunkte Sortiment, Antiquariat und Verlag bleiben als Wahlqualifikationen erhalten, sind in ihrem Umfang jedoch auf 6 Monate reduziert worden. Im Gegenzug wurde die Möglichkeit geschaffen, eine weitere dreimonatige Wahlqualifikation zu erwerben. Die Betriebe und ihre Auszubildenden können zwischen den drei Themen: Gestaltung einer spezifischen Warengruppe, buchhändlerische Projekte und buchhändlerisches E-Business auswählen. Auszubildende, die sich als "leistungsstark" zeigen, können auch mehrere Wahlqualifikationen belegen. Die neue Struktur der Wahlqualifikationen ermöglicht so eine stärkere Profilbildung.

Die neue Ausbildungsordnung wird am 1. August 2011 in Kraft treten. Insgesamt wird es dann 16 neue bzw. neu geordnete Berufe geben.
(as)

Bundesinstitut für Berufsbildung
www.bibb.de

Börsenverein des deutschen Buchhandels
www.boersenverein.de

NRW-Landesverband des Börsenvereins: Bildung und Karriere
www.boersenverein.de

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