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Meldung
Spiel oder Arbeit?
Spieletester- das wär’s. Elektronische Spiele sind inzwischen ein beliebtes Leitmedium. Game Designer oder Game Producer lauten die neuen Berufswünsche. Ein Überblick über Berufsperspektiven in der Games-Industrie und Ausbildungswege.

Der Spiele-Markt in einem Entwicklungsland

Unterhaltungssoftware ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein durchaus interessantes Arbeitsfeld. Mit dynamischen Wachstumsraten. Der 5. Kulturwirtschaftsbericht NRW stellt z. B. fest, dass mit Software/Games im Zeitraum 2004-2005 ein Umsatzzuwachs von 30 % erzielt wurde. Verbände wie G.A.M.E freuen sich über einen „spektakulären Wandel innerhalb der Unterhaltungsindustrie“, denn Medien wie Fernsehen oder Film verlieren stetig Marktanteile an Computer- und Videospiele(1). Inzwischen hat sich der deutsche Bundestag des Themas angenommen. Diskutiert wird, ob und, wenn ja, wie „qualitativ hochwertige interaktive Unterhaltungsmedien“ gefördert werden sollen(2). Insgesamt, so ein Papier der Regierungsfraktionen, werden in Deutschland rund zwei Mrd. Euro auf dem Computer- und Videosoftware-Markt umgesetzt.

Allerdings werden Spiele hier zwar erfolgreich vermarktet, selten jedoch entwickelt: „Während Deutschland sowohl in Europa als auch international zu dem umsatzstärksten Ländern für Computerspiele gehört… werden von den in Deutschland gekauften PC-Spielen nur zehn Prozent auch tatsächlich in Deutschland entwickelt...“. (3) In Expertenstellungnahmen heißt es dazu: Deutschland sei heute „mehr ein Konsumenten- als ein Produzentenmarkt“. Oder prägnant: „ein Entwicklungsland, kein Entwicklerland.“ (2) Erfolgreich werden in Deutschland vor allem Strategie- und Sportspiele entwickelt. Mit der internationalen Konkurrenz können es nur wenige aufnehmen wie „Siedler“, „Anno“ oder das indizierte „Farcry“.

Zwei Kategorien von Unternehmen prägen den Markt. Die „Entwickler“ gestalten ein Spiel von der Idee bis zum fertigen Produkt. Die „Publisher“ übernehmen Finanzierung und Vertrieb. Während Entwicklungsstudios auch kleine bis mittelständische, nur einer Fachöffentlichkeit bekannte, Betriebe sein können (z. B. Ascaron, Related Designs, Crytac) , sind die Hersteller marktmächtige, eingeführte Markenfirmen, wie Nintendo oder Atari. Diese Unternehmen agieren weltweit, mit konzern-interner Arbeitsteilung.
Ein Großteil der Arbeitsplätze entsteht in Deutschland also im Vertrieb, im Fachhandel. Das spiegelt sich in den Job-Angeboten. So weist Brachenriese Electronic Arts ausdrücklich darauf hin, dass hier Groß- und Außenhandelskaufleute ausbildet werden. Design und Entwicklung erfolge bei EA jedoch ausschließlich in USA, Kanada und Großbritannien.

Producer, Designer, Artists

Branchenspezifischen Tätigkeitsprofile umfassen: Projektmanagement, Projektkonzeption, Gestaltung sowie Programmierung. Das Projektmanagement übernimmt die wirtschaftliche Planung, ist für die Einhaltung von Budgets und Zeitplänen verantwortlich. Berufsbezeichnungen sind Projektmanager, Projektleiter oder Game Producer. In der Projektkonzeption sind Game Designer tätig. Sie entwickeln Ideen, entwerfen Spiel-Levels. Für die Gestaltung werden zudem Game Artists eingesetzt. In der Programmierung arbeiten Spezialisten der jeweiligen Software.

Wer wird gesucht?

Die Situation der Games-Industrie heute erinnert an die der AV-Medien vor zehn Jahren, bevor einschlägige Ausbildungsberufe und eine Palette von differenzierten Studiengängen konzipiert wurden.
Stellenanzeigen spiegeln die Tatsache, dass international geprägte Unternehmen auf einem stark wachsenden Markt agieren, denen deutsche Rekrutierungstraditionen eher fremd sind. Selten werden explizit bestimmte Studienabschlüsse oder Berufsausbildungen gefordert, im Mittelpunkt steht die Branchenerfahrung. So soll ein „Senior Game Designer“ bei Blue Byte etwa über „mehrjährige Erfahrung in der Entwicklung von (Strategie-)Spielen“ und „fundierte Kenntnisse des Computerspielemarkts“ verfügen. Von einem „Senior Artist“ erhofft sich Related Designs neben mehrjähriger Berufserfahrung in der Spielebranche u. a. „sehr gute Kenntnisse in 3D-Studio MAX , Photoshop, im Modellieren und Texturieren, im Anfertigen/Bewerten von 3D-Animationen und in den technischen Abläufen (Pipeline/Tool-Chain)“ Auf den Wunschlisten generell: spezialisierte Softwarekenntnisse, einschlägige Arbeitsproben und ausgeprägte Teamfähigkeit.

Die Branchen-Verbände machen einen regelrechten Fachkräftemangel aus. So besteht „im Entwicklungsbereich und Programmierbereich“ laut BIU(4) „dringender Qualifizierungsbedarf“. Und: „Wenige Hochschulstudiengänge und Ausbildungsmöglichkeiten stehen einer großen Nachfrage an Nachwuchs für den Spielentwicklerbereich gegenüber.“ Die Ausbildungsmöglichkeiten halten mit der wirtschaftlichen Dynamik bisher nicht Schritt.

Private Akademien und staatliche Hochschulen

Private Bildungsanbieter haben die Lücke frühzeitig erkannt. An der Games Academy können seit 2000 ein- bis zweijährige Kurse belegt werden: „Game Design“, Game Producing“ oder „Game Art & Animation“. Die Kosten liegen, je nach Kurs und Zahlungsmodalität, zwischen 760 und 930 Euro im Monat. Wenn diese privaten Bildungsgänge im Games-Bereich auch noch kostspieliger sind als in anderen Feldern, werden die Trägerzertifizierungen immerhin zunehmend von staatlich anerkannten Abschlüssen abgelöst. Die Mediadesign Hochschule bietet den B.A. „Gamedesign“ (799 Euro/Monat). In drei Jahren werden „fundierte Grafik-, 3D- und Programmier-Skills“ vermittelt, verspricht die Institution. Weitere private Bildungsanbieter sind: L4, SAE/Qantm und die Macromedia Fachhochschule.

An staatlichen Hochschulen sucht man explizite „Game“-Studiengänge bisher eher vergeblich, dennoch gibt es einschlägige Qualifizierungen. “Computervisualistik“ an der Universität Magdeburg wird zielgruppengerecht mal als „Bunte-Bilder-Informatik" mal als Tätigkeit „wo mit dem Computer anspruchsvolle Problemstellungen bearbeitet werden, bei denen Bilder produziert oder analysiert werden“ beschrieben. Bei „Virtual Design“ an der FH Kaiserslautern ist das Ziel die „freie und angewandte künstlerische Gestaltung virtueller Räume mit neuen Medien“.
In Halle wird in Kooperation zwischen Universität und Kunst-Hochschule der Studiengang „Multimedia|Virtual Reality-Design“ durchgeführt – eine Kombination aus Kunst und Informatik. An der Hochschule Darmstadt können sich die Studierenden beim B.A. „Digital Media“ zwischen den Schwerpunkten „Interactive Media“, „Animation and Game“, „Video“ oder „Sound“ entscheiden. Als Berufsfelder für Absolvent/innen der Richtung „Animation and Game“ werden genanntn: „Game Developer, Game Designer, Animation/Character Artist…“ Weitere Studiengänge, die Schnittstellen-Qualifikationen vermitteln, sind: „Multimedia Production“ (FH Kiel) oder „Informatik und Multimedia“ (Uni Augsburg).

Das Thema Computerspiele geht an den Hochschulen also nicht vorbei. Zudem ist es in andere Studienrichtungen eingebunden. An der FH Köln ist im Institut für Medienforschung und Medienpädagogik der Forschungsschwerpunkt „Wirkung virtueller Welten“ angesiedelt, mit dem In-Institut “Spielraum“. Die Filmhochschulen widmen sich dem Thema Crossmedia. An der HFF in Potsdam-Babelsberg werden im Studiengang „Animation“ neben „traditionelle Animationstechniken“ auch Kenntnisse über „3D-Computeranimation, Visual Effects, Virtual Reality, Interaktive Medien“ vermittelt. Die Kunsthochschule für Medien Köln hat ein „Lehrgebiet Animation“ im Studiengang „Audiovisuelle Medien“, etc. Die private BiTS in Iserlohn wiederum hat den Studienschwerpunkt „Interactive Entertainment“ in den B.A. Studiengängen wie „Communication and Media Management“.

Nicht nur wo "Game" draufsteht

Studieninteressierte dürfen sich also nicht nur am Begriff „Game“ orientieren, sondern müssen umfassender recherchieren, ob einschlägige Schwerpunkte oder Projekte in Studiengänge integriert sind. Für Einsteiger, die ins Projektmanagement gehen wollen, kann zudem ein BWL-Studiengang empfehlenswert sein, wenn dieser mit entsprechender Praxis (studienbegleitende Jobs, einschlägige Abschlussarbeit) ergänzt wird. Oder man wagt den Schritt ins Ausland dort kann man sich bereits „Games Studies“, der Computerspielforschung, widmen. Etwa im österreichischen Krems.

In der Berufsausbildung ist das Thema Games bisher wenig präsent. Eine Ausnahme: Die SRH-Berufsfachschule qualifiziert „staatlich anerkannte Informatiker, Fachrichtung Game und Multimediaentwicklung“. Die Unternehmen bieten in der duale Ausbildung zur Zeit eher kaufmännische Berufe. Neben den erwähnten Groß- und Einzelhandelskaufleuten oder Bürokaufleuten werden auch z. B. Veranstaltungskaufleute für die Organisation von E-Sport-Wettbewerben ausgebildet. In der Experten-Anhörung wurde der Vorschlag geäußert, die Ausbildung zum/zur Fachinformatiker/in mit einer dritten Fachrichtung „Unterhaltungssoftware“ zu versehen (2).
Ein qualifizierter Berufseinstieg in Kernbereiche der Games Industrie ist zurzeit eher über die Hochschulen möglich. Und sei es über ein ganz gewöhnliches Informatik-Studium, kombiniert mit spezifischen Softwarekenntnissen, Praxisnachweisen und Teamfähigkeit.

Und als Spieletester haben z. B. „passionierte Computerspieler“ Chancen, sie müssen aber auch über „Berufserfahrung in der Qualitätssicherung“ und „eine professionelle Arbeitseinstellung wie Disziplin, Effizienz, Auge fürs Detail, analytische Herangehensweise“ verfügen.
Anne Schulz


Quellen:

(1)G.A.M.E. Bundesverband der Entwickler von Computerspielen e.V. www.game-bundesverband.de
(2) Unterrichtung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Deutscher Bundestag, Drucksache 16/7081 www.bundestag.de
(3) Antrag „Wertvolle Computerspiele fördern“, der CDU/CSU- und SPD-Fraktion, Drucksache 16/7116 www.bundestag.de
(4) Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) e.V. www.biu-online.de

Bildungsanbieter:

Games Academy www.games-academy.de
MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik, www.mediadesign.de
L4 - Institut für Digitale Kommunikation www.l-4.de
SAE/Qantm, www.sae.edu
Macromedia Fachhochschule der Medien, www.macromedia-fachhochschule.de
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, www.uni-magdeburg.de
Fachhochschule Kaiserslautern, www.fh-kaiserslautern.de
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, www.uni-halle.de
Burg Giebichenstein, Hochschule für Kunst und Design Halle www.burg-halle.de
Hochschule Darmstadt www.h-da.de
Fachhochschule Kiel, www.fh-kiel.de
Universität Augsburg, www.uni.augsburg.de
Fachhochschule Köln, www.fh-koeln.de
Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg, www.hff-potsdam.de
Kunsthochschule für Medien Köln, www.khm.de
BiTS Business and Information Technology School gGmbH, www.bits-iserlohn.de
Donau-Universität Krems, www.donau-uni.ac.at/
SRH Fachschule, www.srh.de

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