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Meldung
Was ist ein gutes Praktikum?
Die Journalisten-Gewerkschaften haben Richtlinien für Praktika in Redaktionen veröffentlicht.

Ausgerechnet an einem Freitag, den 13. haben der Deutsche Journalisten-Verband, die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di und die Jugendpresse Deutschland gemeinsame Richtlinien veröffentlicht, wie ein gutes Praktikum aussehen sollte.
Damit wollen sie dem Missbrauch von jungen Arbeitskräften vorbeugen, die unter nebulösen Versprechen auf einen seriösen Einstiegsjobs so ungefähr alles mit sich machen lassen (müssen). Unbezahlte Arbeit und überlange Arbeitszeiten sind nur ein Ärgernis. Die Liste der negativen Erfahrungen ist lang: da werden Praktikantinnen als Mitarbeiterinnen mit hohem Verantwortungsdruck und ohne eine entsprechende Betreuung eingesetzt. Andere werden gebeten, doch "mal eben" den Rasen zu mähen oder Keller zu entrümpeln, nachdem ihnen Einblicke in die professionelle Medienproduktion versprochen worden waren, usw. usf.


Kriterien für faire Verhältnisse

Damit Praktikantinnen auch wirklich etwas lernen und das Praktikum ein sinnvoller Schritt hin zum Wunschberuf ist, können sich Unternehmen und Nachwuchs nun an den Richtlinien orientieren. Im Einzelnen:
  • Vor Beginn des Praktikums wird ein Vertrag geschlossen mit Angaben zu: Dauer, Lernziele des Praktikums, Betreuer/in, Vergütung, Arbeitszeit und Urlaub, Regelungen im Krankheitsfall, Haftung, Urheberrecht etc.
  • Die/der Praktikant/in sollte über Rechte (Arbeitsrecht) und Pflichten aufgeklärt werden.
  • Für das Praktikum soll eine leistungsgerechte Vergütung bezahlt werden. Ausnahme: Pflichtpraktika in der Schulzeit.
  • Die Dauer des Praktikums soll sechs Monate nicht überschreiten.
  • Die/der Praktikant/in lernt nach einer fundierten Einführung mehrere redaktionelle Aufgabenbereiche kennen und erhält ein/e qualifizierte/r Betreuer/in zur Seite gestellt.
  • Nach Abschluss des Praktikums wird ein qualifiziertes Zeugnis ausgestellt mit Angaben über Art, Dauer, Inhalte und Ziele des Praktikums sowie über die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse des/der Praktikant/in, etc.

Gute Praktika ersetzen keine Arbeitsplätze

Dass durch gute Praktika keine regulären Voll- oder Teilzeitstellen eingespart werden sollen, versteht sich von selber. Ziel dieser betrieblichen Lernphase ist es, praktische Kenntnisse und Erfahrungen zu erwerben, die bei Bewerbungen nützlich sind.
Deshalb ködern verantwortungsbewusste Unternehmen ihre Praktikantinnen auch nicht durch die "vage Aussicht auf ein anschließendes Mitarbeiter-Verhältnis". Denn wer fair mit dem Nachwuchs umgeht, wird umso bessere Mitarbeiter/innen rekrutieren können.

Welcher Erfolg diesen Praktika-Richtlinien beschieden ist, wird die betriebliche Praxis zeigen. Ein Anhaltspunkt für junge Berufseinsteiger/innen sind sie allemal. Redaktionen wie Unternehmensleitungen sollten die Richtlinien als Denkanstoß dienen, den eigenen Umgang mit dem Nachwuchs zu überprüfen.
Und vielleicht können die Verbände dereinst ihre Bilanz-Pressekonferenz dann an einem freundlicheren Datum abhalten. Weihnachten oder der 1. Mai böte sich doch an, um die Meldung zu verkünden, dass alle Praktika inzwischen dem Lernen und der Orientierung dienen.
(as)

Die Richtlinien im Wortlaut:
www.djv.de
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