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Meldung
Die Türe ist ein klein wenig geöffnet
Von der Gestaltungstechnischen Assistentin zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien - in NRW können Absolvent/innen von Berufsausbildungen nach Landesrecht zukünftig eine Abschlussprüfung in einem bundeweit anerkannten dualen Erstausbildungsberuf ablegen. Eine weitere Neuerung ab August 2006: Duale Ausbildungsberufe als Vollzeitbildungsgänge an Berufskollegs.

Einen Kosenamen hat sie schon, die neue Verordnung: BKAZVO. Mit ihr sollen ab August 2006 insbesondere in den Regionen, in denen viele Ausbildungsbewerber/innen unversorgt bleiben und die Arbeitsmarktsituation prekär ist, neue Möglichkeiten geschaffen werden, um Jugendliche erfolgreich beruflich auszubilden.


Von der Ausbildung nach Landesrecht zur bundesweit anerkannten Berufsausbildung

Der Mangel an betrieblichen Ausbildungsplätzen führt zurzeit u. a. dazu, dass etliche Schulabgänger/innen eine vollzeitschulische Berufsausbildung nach Landesrecht absolvieren. Zu diesen Bildungsgängen gehören etwa die Gestaltungstechnischen Assistent/innen und die Informationstechnischen Assistent/innen. Zukünftig können diese Assistent/innen anschließend eine Prüfung in einem bundesweit geregelten Ausbildungsberuf ablegen: Also z.B. von der Gestaltungstechnischen Assistentin zur Mediengestalter/in Digital und Printmedien werden.

Arbeitsminister Karl-Josef Laumann erläuterte: "In unserem Land ist es jetzt möglich, Absolventen vollzeitschulischer Bildungsgänge zur externen Kammerprüfung zuzulassen - auch in dualen Ausbildungsgängen." Und, so fuhr der Minister fort: "Es gibt nicht wenige, die z.Zt. in Maßnahmen an Berufskollegs sind. Damit diese Maßnahmen nicht zu nutzlosen „Warteschleifen“ werden, hat die Landesregierung die Möglichkeit geschaffen, die dort erworbenen Kenntnisse später auf die Ausbildungszeit anzurechnen." Er wies darauf hin, dass diese ergänzende Möglichkeit zunächst für zehn Jahre eingeführt wird.


Nicht ohne Hürden

Allerdings formuliert die Verordnung eine Reihe von Bedingungen. Zunächst soll im so genannten regionalen Konsens zwischen Kammern, Gewerkschaft, Arbeitsverwaltung und Berufskollegs festgelegt werden, für welche Bildungsgänge die Zulassung zur Prüfung erfolgen soll. Damit soll der Vorrang der betrieblichen Ausbildung abgesichert werden.

Ferner müssen die Schüler/innen an einem insgesamt mindestens dreijährigen Bildungsgang teilnehmen, in dem auch Inhalte des jeweiligen dualen Erstausbildungsberufes vermittelt werden. Wert wird auf den Erwerb von Fachpraxis gelegt. Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer/innen Praktika in einem zeitlichen Umfang von 12 Monaten nachweisen können. Außerdem muss die Prüfung nach Landesrecht erfolgreich bestanden worden sein.


In der Praxis

Für die Schüler/innen der Berufskollegs, die sich momentan in einer vollzeitschulischen Berufsausbildung befinden, kann die Neureglung bedeuten, dass sie im Anschluss an den Ausbildungsgang auch den zweiten Abschluss ablegen können. Vorausgesetzt erstens, der regionale Konsens stimmt dem zu. Und zweitens: der Bildungsgang wird auch auf die Inhalte des angestrebten zweiten Bildungsziels hin strukturiert. Die Assistent/innen in Ausbildung müssen sich also jeweils bei ihrem Berufskolleg erkundigen, welche Möglichkeiten bestehen.

Den Assistent/innen, die das Berufskolleg bereits verlassen haben, steht weiterhin die Möglichkeit offen, nach 4,5 Jahren beruflicher Praxis an einer Externenprüfung teilzunehmen - wie dies auch bisher der Fall war.


Auch bundesweit anerkannte Ausbildungsberufe in Zukunft vollzeitschulisch

Ferner sieht die Verordnung vor, dass auch bundesweit staatlich anerkannte Berufsausbildungen (nach Berufsbildungsgesetz BBiG und Handwerksordnung HwO)am Berufskolleg erworben werden können, wenn der regionale Konsens dies zulässt. Damit wird ein weiterer Weg eröffnet, wie Schulabgänger/innen sich beruflich qualifizieren können. Auch diese Qualifizierungen orientieren sich eng an dem dualen Vorbild. Zielgruppe sind hier die "Alt-Bewerber/innen".


Anrechnung von Bildungszeiten

Der Landesausschuss für Berufsbildung betont in der Stellungnahme zur Verordnung, dass das "Primat der dualen Ausbildung" beachtet werden soll, zugleich aber auch Modelle zur "besseren Verzahnung von vollzeitschulischen Bildungsgängen mit der dualen Ausbildung" entwickelt werden sollten.
In diesem Sinne ist es auch folgerichtig, dass die Anrechnung von Bildungszeiten, die an einem öffentlichen oder privaten Berufskolleg erbracht wurden, auf die duale Berufsausbildung, in die Verordnung aufgenommen wurde. Je nach Bildungsgang - wie Berufsgrundschuljahr, Berufsfachschule - können zwischen 6 bis 18 Monate angerechnet werden, wenn Ausbilder und Auszubildende dies beantragen.


Fazit: Die Verordnung ergänzt die reguläre, dreijährige duale Berufsausbildung in Betrieb und Berufsschule um neue Varianten. Insbesondere für die Absolvent/innen, die nicht unmittelbar nach der Schule ein Studium aufnehmen oder einen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden haben, ergeben sich dadurch interessante Perspektiven. Wie die Verordnung jeweils für Ort konkret umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. (as)



Verordnung über die Anrechnung vollzeitschulischer beruflicher Bildungsgänge auf die Ausbildungsdauer gemäß Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Handwerksordnung (HwO) und die Zulassung von Absolventen vollzeitschulischer Bildungsgänge zur Abschlussprüfung in dualen Ausbildungsberufen - (Berufskollegsanrechnungs- und -zulassungsverordnung - BKAZVO)
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