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Meldung
Neue Medienliteratur .. und anderes
Frankfurt - Die Buchmesse präsentiert sich als Branchenforum im modernen Medien-Mix, darunter auch interessante Neuerscheinungen zu Film- und Fernsehthemen.

Die Frankfurter Buchenmesse in Zahlen heißt: 7223 Aussteller aus 101 Ländern der Welt. 380.655 ausgestellte Titel, davon über 100.000 Neuerscheinungen. Und erwartet werden über 250.000 Besucherinnen und Besucher. Die Buchmesse bestätigt damit ihre Position als größte und bedeutendste Handelsplattform ihrer Art.

Branchenforum zwischen „alten“ und „neuen“ Medien

Die Buchmesse ist inzwischen auch ein Branchenforum, bei dem es beileibe nicht nur um gedruckte Bücher geht. In den letzten Jahren sind nicht nur Comics, Hörbücher sondern auch Lern- und Unterhaltungssoftware-Angebote integriert worden. Es wird jedoch nicht nur nach vorne, sondern auch in die Vergangenheit geblickt: erstmalig ist die „Frankfurter Antiquariatsmesse“ in die Bücherschau einbezogen.
Zum zweiten Mal findet bereits das Forum Film und TV statt, 2005 mit dem Kooperationspartner Berlinale. Nicht nur zur Freude Messe-matter Buchhändler werden im Kino aktuelle Filmproduktionen gezeigt. Im Agentencafé nebenan wird mit Geschichten und Stoffen gehandelt. Auf dem Workshop-Programm stehen Themen wie: „Zukunft des Kinder- und Jugendfernsehens“, „Comic und Film - Handel mit Lizenzen und Rechten“, „Was macht einen Film erfolgreich?“, „Wie kommt man zu guten Buch- bzw. Filmstoffen?“. Dabei geht es sowohl um strategische Kooperationen zwischen Verlagen und Produktionsfirmen/Sendern als auch darum, den Buchhandel als Vermarktungsplattform zu erschließen.

Bei dem Panel „Spielewelten für Kinder und Jugendliche – Können Verlage und Gaming-Branche voneinander lernen?“, von der Akademie des Deutschen Buchhandels veranstaltet, wurde deutlich, dass die Beteiligten sich noch in unterschiedlichen Welten bewegen. Die Medienbudgets der Jugendlichen wachsen seit Jahren an, das Geld fließt aber hauptsächlich in den Erwerb von Spielen und Handy-Kosten, nicht in den Kauf von Büchern. Software-Produzenten, wie Arnim Hopp (Vorstand digital publishing) und Odill Limpach (Ubisoft) hoben hervor, wie wichtig Communitys und interaktive Kommunikation für ihren Erfolg sind. Und sie sprechen von einer umgedrehten Verwertungskette: Am Anfang steht eine Idee, deren „polymorphe Verwendung“ in verschiedenen Medien geprüft wird. Dagegen ist im Verlagsgeschäft noch das Manuskript/Buch der Beginn aller weiteren Überlegungen. So schilderte Limpach, dass Ubisoft vergeblich bei deutschen Verlagen Stoffe für Mädchen-afine Spielideen gesucht habe. Fündig wurde die Firma erst in den USA. Dabei, so unterstrich Hopp, handelten doch Verlage wie Softwareproduzenten mit Geschichten, Held/innen und deren Welten. Die großen Verlage hätten am Beginn des New-Economy-Rausches viel Geld „verbrannt“, so die Einschätzung von Moderator Gunnar Lott, Chefredakteur der Zeitschrift GameStar, dass sie nun eher zögerlich agierten.

Gut funktioniert dagegen die Zusammenarbeit mit der Fernsehbranche, Drehbuchautor/innen werden regelmäßig mit dem Entwurf von Geschichten und dramaturgischen Spannungsbögen betraut. Ubisoft arbeitet zur Zeit an Projekte, bei denen Film und Spiel parallel entwickelt werden. So könne die Stärke des jeweiligen Mediums genutzt werden: aufwändige Animationen würden etwa nicht auf der Leinwand aber im Spiel realisiert. Der Buchhandel ist noch skeptisch, was Non-Print-Medien betrifft. Ein Hemmnis: Man könne da schlicht nichts „durchblättern“. Allerdings wächst nun eine Generation von Mediennutzer/innen heran, die selbstverständlich mit Spiel- und Lernsoftware umgehen. Ein Hoffnungsträger sind die jungen Buchhändler/innen, die aus eigener Praxis einschätzen können, was für ihr Publikum interessant ist.

Eines wurde bei dieser und den folgenden Debatten deutlich: es gibt Gesprächsbedarf, das Interesse an Kooperationen, bei denen jede Branche ihre Kernkompetenzen einbringen kann und eine, nicht zu unterschätzende Gemeinsamkeit: es geht "nicht nur, aber auch" darum, Geld zu verdienen, wie es Christine Bauer von der Buchhandelsakademie formulierte.

Internationale Einsichten

Mit 4028 Ausstellern gibt es mehr internationale Messestände als deutsche („nur“ 3195). Besonders im Fokus stand das Gastland 2005 Korea. Die südkoreanische Regierung – Nordkorea hatte sich, trotz vielfacher Bemühungen, geweigert, sich zu beteiligen –präsentierte eine vielfältige Literatur- und Medienkultur. Und so war zu lernen, dass buddhistische Mönche schon 1377, und damit über 70 Jahre vor Gutenberg, den Druck mit beweglichen Metalllettern erfunden hatten. Ein kleiner Dämpfer für europäischen Hochmut, wenn auch sanft vorgetragen.
Korea stellte außerdem im Comic-Zentrum die lebendige Manhwa-Szene des Landes vor. Die BesucherInnen erfuhren dort nicht nur, dass “Han-Gook-Ae-Ga-Go-Si-Peo-Yo“ - „Ich möchte nach Korea“ und „Sa-Rang-Ham-Ni-Da“ - „Ich liebe Dich“ heißt, sondern auch, dass in Korea jährlich 6000 Comic-Titel und 12 Zeitschriften erscheinen und dass der kreative Nachwuchs an 50 Hochschulen(!) mit entsprechenden Studiengängen ausgebildet wird.

Lesefutter für den Herbst

Die Buchmesse heißt: eine Fülle von Neuerscheinungen. Und auch Medien- und Bildungsinteressierte können sich auf einen ergiebigen Lektüreherbst freuen.

Im Schüren- Verlag sind u. a. neu im Programm: „Demnächst in ihrem Kino. Grundlagen der Filmwerbung und Filmvermarktung“ (herausgegeben von Vinzenz Hediger und Patrick Vonderau), „Das Digitale Kino“ (herausgegeben von Marille Hahne), „Al-Jazeera – Ein regionaler Spieler auf globaler Medienbühne“ (Abdo Jamil Al-Mikhlafy) und „Farbe im Kino“ (Susanne Marschall).

Der UVK-Verlag hat die weiße Reihe „Praktischer Journalismus“ u. a. ergänzt um die Titel „Musikjournalismus“ (herausgegeben von Peter Overbeck) und „Wirtschaftsjournalismus in der Presse“ (Klaus Spachmann). Ebenfalls in der Reihe neu publiziert wurde das „Handbuch Journalismus und Medien“ (herausgegeben von Siegfried Weischenberg, Hans J. Kleinsteuber, Bernhard Pörksen), ein Nachschlagewerk zu zentralen Begriffen. Als Lehr- und Lernbuch ist auch „Ethik im Redaktionsalltag“ gedacht (herausgegeben vom Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses und vom Deutschen Presserat). Dort wird anhand von realen Fällen erläutert, wo die Grenzen von Berichterstattung verlaufen müssen oder sollten.
Neu erschienen ist ebenfalls bei UVK das „Hörspiel-Lexikon“ (Thomas Bräutigam), in dem 400 Original-Hörspiele aus den Jahren 1924-2004 vorgestellt werden. Die Praxis Film-Reihe wurde u.a. ergänzt um die Titel „Kinderfilm – Stoff- und Projektentwicklung“ (Beate Völcker) und „Casting“ (Tina Thiele). Beides Themen, um die die Fachliteratur bisher einen großen Bogen geschlagen hat. Außerdem neu bei UVK: „Apropos Werbefilm" (Christian Henze) und „Exposee, Treatment und Konzept“ (Dennis Eick).

Aber jenseits der gängigen Reihen gibt es interessante Neuerscheinungen zu entdecken. Eine durchaus subjektive Auswahl: Die Körber-Stiftung hat „Beruf: Schauspieler – Vom Leben auf und hinter der Bühne“ (herausgegeben von Ulrich Khuon) herausgebracht, in dem Schauspielerinnen und Schauspieler, die den Boy-Gobert-Preis erhalten haben, über ihre Arbeit berichten. Der Herbert von Halem-Verlag stellte u. a. eine Neuerscheinung vor, in der andere Medienprofis über ihre Zunft berichten: „Trendbuch Journalismus. Erfolgreiche Medienmacher über Ausbildung, Berufseinstieg und die Zukunft der Branche“ (herausgegeben von Bernhard Pörksen). Im selben Verlag ist übrigens auch „War Visions. Bildkommunikation und Krieg“ (herausgegeben von Thomas Knieper und Marion G. Müller) erschienen, ein Band, der das aktuelle Problem von Berichterstattung und Propaganda beleuchtet.
Der Kölner Emons Verlag legt in der Medien-Reihe „Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt“ (James N. Frey.) vor. Die TR-Verlagsunion hat neu im Programm: „Der Publikumsvertrag – Emotionales Drehbuchschreiben mit ‚the human factor’“ (Roland Zag). Dem Schreiben von Büchern widmet sich das „Neue Autorenbuch“, das die Literaturagentin Regine Stephan im ebenfalls neuen Verlag Primarte vorgelegt hat.

Auch die Bildungsverlage ergänzen ihre Programme um Titel, die für das Arbeiten in und mit Medien nützlich sein können. So hat Cornelsen in der Reihe Handbuch Unternehmenspraxis neu publiziert „Kulturmarketing“ (Michaela Reimann und Susanne Rockweiler). Bei bw ist erschienen „So krieg ich meinen Studienplatz –Top vorbereitet ins neue Auswahlverfahren“ (Elke Pohl). Die Zahl der Bewerbungsratgeber insgesamt ist Legion und ein treuer Spiegel der Arbeitsmarktkrisen. Und demnächst sicherlich auch von Nöten wäre ein Führer zur Drehbuch-Literatur, denn auch in diesem Gebiet ist die Fülle bald unüberschaubar.
Die so genannte „Gelbe Reihe“ zur journalistischen Praxis wechselt innerhalb der Ullsteingruppe vom List Verlag zu Econ. Dort sind für 2006 dann Neuerscheinungen bzw. Überarbeitungen der Titel geplant.

und danach..

Die Buchmesse ist auch ein sozialer Prozess. Neben ungezählten Verkaufsgesprächen, Lesungen, Geschäftsbesprechungen und Pressekonferenzen gab es so zahlreiche Diskussionsrunden wie kaum zuvor. So organisierte etwa der Spiegel mit kooperierenden Verlagen ein Bildungs-Forum. Bei soviel Kommunikation ist klar, dass auch die Besucher/innen erst nach der Messe so richtig Zeit haben werden, ein Buch zu lesen (oder die neue Software zu testen). Die Messe hat aufs neue und eindrücklich bewiesen, dass das Medium Buch so attraktiv wie je ist und zum Bindeglied zwischen den vielfältigen Medien werden könnte. Und welcher der polymorphen Erscheinungsformen der Erfolg beschieden ist, entscheidet wie immer das Publikum. Anschließend.
(Anne Schulz)

Einige der Neuerscheinungen werden in den nächsten Wochen auf www.aim-mia.de näher vorgestellt.

www.schueren-verlag.de
www.uvk.de
www.koerber-stiftung.de
www.halem-verlag.de
www.emons-verlag.de
www.tr-verlag.de
www.cornelsen.de
www.bwverlag.de
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