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Literatur: Rezensionen
Von einer, die auszog, Chefinnen zu finden
Köln/Hannover - Wer Medienmanagement studiert, trägt sich mit Karriereambitionen - diese Vermutung liegt nahe. Wie können Absolventinnen ihre beruflichen Ziele umsetzen, was verdienen sie und wie ist es um die Aufstiegschancen bestellt? Diese Fragen hat Daniela Schaaf untersucht.

Schaaf befragte im Rahmen ihrer Masterarbeit Absolventinnen des Hannoveraner Studiengangs Medienmanagement und verglich deren Karrierewege mit der Situation berufstätiger Frauen außerhalb der Branche.
Ein Ergebnis der Untersuchung lautet, um das vorweg zu nehmen, die Lage ist ambivalent. Da ist zum einen die vergleichsweise hohe Anzahl von Frauen, die in der Medienbranche erfolgreich beruflich Fuß gefasst haben. Insbesondere bei Verlagen und im Buchhandel arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen, üben interessante und anspruchsvolle Tätigkeiten aus. Trotz einer nachweisbaren „Entgeltdiskrimierung“ (sprich: Frauen verdienen auch im Medienbereich weniger als ihre männlichen Kollegen auf vergleichbaren Positionen), sind die Verdienstchancen für Frauen im Medienbereich „deutlich besser als in der Gesamtwirtschaft“, so Schaaf. Dies ist bereits durch die Studie „Frauen in der Medienwirtschaft“ des IMU-Instituts, München belegt worden.
Der Zugang zu Führungspositionen ist jedoch nicht leicht und eben. Im Vergleich zu ihren männlichen Kommilitonen sind die Absolventinnen sehr viel seltener in Führungspositionen anzutreffen, verfügen auch weniger über Personalverantwortung.

In den Gesprächen mit den Medienmanagerinnen lotete Schaaf die Gründe für die weibliche Absenz in Führungsetagen aus und fragte nach der Bereitschaft zur Übernahme von Führungspositionen, den Bedingungen am Arbeitsplatz, der Arbeitszufriedenheit und der Wirksamkeit von Frauenförderprogramme.

Strategien und Machtbewusstsein

Die Interviewpartnerinnen gaben unterschiedliche Strategien, berufliche Ziele zu verfolgen, zu Protokoll. Einige erklettern zielstrebig die Hierarchiestufen, obwohl die Medienbrache als „extrem harte Branche, die Ellenbogeneinsatz von Frauen fordert“ eingeschätzt wird.
Andere betonten, dass eine interessante Aufgabe für sie wichtiger sei als Macht. Personalführung stelle weniger den Ausweis von Status und Bedeutung dar als eine Verantwortung, die sie nicht in jedem Fall übernehmen wollten.
Eine genaue Karriereplanung sei wichtig, urteilen erfolgreiche Chefinnen. Sie kritisieren, dass Frauen weniger taktisch und strategisch zu Werke gingen. Auch würden sie ihre Arbeit schlechter verkaufen: „Frauen sind, böse gesprochen, die fleißigen Bienchen. Sie machen gute Arbeit, aber reden nicht genug darüber. Es wird dann auch nicht anerkannt.“, zitiert Schaaf eine Multimedia-Projektmanagerin..

Von realen und virtuellen Kindern

Ein ewiges Thema: Die Situation berufstätiger Mütter unterscheidet sich immer noch deutlich von derjenigen der Väter. Mangelnde Kinderbetreuung, überlange, entgrenzte, unplanbare Arbeitszeiten sind erhebliche Karrierehemmnisse für Frauen. Auch das rein virtuelle Kind behindert Frauen, wenn - ja, auch noch im 21. Jahrhundert – Bewerberinnen gefragt werden, ob sie Kinder bekommen wollen, bzw. bei Beförderungen junge Männer den Vorzug erhalten. Schließlich muss man bei denen nicht befürchten, dass sie sich exzessiv um ihren Nachwuchs kümmern werden.
Eine Managerin nennt dies den Kampf „gegen Windmühlen“, wenn trotz guter Leistungen Frauen noch nicht mal als Team- oder Abteilungsleitungen einsetzt würden mit dem Argument “Frauen werden ja immer schwanger!“. Ein Drittel der Befragten gab an, solche und andere Ausprägungen von geschlechtsspezifischer Diskriminierung selber erlebt zu haben.
Als Reflex auf einen männlich geprägte Berufsalltag erklärten sogar zwei Drittel, sie hätten sich den Verhaltensmustern ihrer Kollegen, z.B. deren Kommunikationsstil, angepasst, um im Job akzeptiert zu werden. Für die Fairness und Selbstreflektion der Managerinnen spricht, dass sie auch Vorteile erkennen. So würde Frauen generell eine große Kommunikationsfähigkeit zugeschrieben - eine in der Medienbranche gefragte Fähigkeit. Auch ein gefälliges Äußeres wird als karrierefördernd eingeschätzt, etwa wenn es um Präsentationen vor Kunden geht. Allerdings helfe „gutes Aussehen“ nicht nur Frauen sondern auch Männern weiter, so eine Marktforscherin.

Zukunftswünsche

Generell artikulieren die Frauen eine hohe Zufriedenheit mit ihrem Beruf, dies wird auch dadurch untermauert, dass sich nur wenige einen Wechsel in eine andere Branche vorstellen können oder diesen gar planen. Von der Zukunft erhoffen sie vor allem, weiter an interessanten Projekten arbeiten zu können und die Hälfte der Befragten möchte dies mit Familienpflichten vereinbaren. Beförderung und Gehaltssteigerungen stehen dagegen nicht unbedingt im Mittelpunkt der Karriereziele.

Auf Frauenförderpläne, Mentorinnenprogramme oder Frauen-Netzwerke verlassen sich die Befragten kaum, wenn jene auch teilweise genutzt werden. Der Appell lautet dagegen eher, die Rahmenbedingungen für Erwerbstätigkeit von Müttern zu verbessern. Denn: „Frauenförderprogramme und Mentorenprogramme werden grundsätzlich als wirkungsvolle Instrumente der Personalförderung angesehen, aber viele Frauen wünschen sich lieber Betriebskindergärten.“ Schaaf zieht zum Vergleich Unternehmen wie DaimlerChrysler oder die Commerzbank heran, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für weibliche Führungskräfte gezielt unterstützen.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass keineswegs alle Medienmanagement-Absolventinnen Führungslaufbahnen einschlagen wollen, wenn der Preis dafür lautet, in Machtkämpfe verwickelt zu werden oder Personalverantwortung tragen zu müssen. Hier lautet ein Vorschlag, Fachlaufbahnen einzuführen, die hoch qualifizierte Tätigkeiten beinhalten, aber nicht mit Mitarbeiterführung verbunden sind.

Wettbewerbs-Vorteil: Frauenförderung?!

Offen bleibt jedoch, ob die Zurückhaltung vieler gut qualifizierter Frauen, Führungspositionen zu übernehmen, weniger auf übergroßer Fachverliebtheit oder Familienzentrierung beruht, denn auf einer antizipierten gläsernen Decke. Wenn ihnen sowieso geringere Karrierechancen eingeräumt werden, könnte es durchaus ökonomisch rational sein, sich nicht in erfolglose Machtkämpfe zu verstricken. Immerhin gaben etliche Befragte an, dass sie gezielt „frauenfeindliche“ mit undurchdringbaren männlichen Karrierenetzwerken gegen „frauenfreundliche“ Betriebe getauscht hätten oder dieses beabsichtigen. Und hier sollten Personalverantwortliche aufhorchen, denn diskriminierende Strukturen führen dazu, dass den Unternehmen gut qualifizierte, engagierte Mitarbeiterinnen verloren gehen. (Anne Schulz)

„Ich fände es schon sehr sexy, in einer Führungsposition zu sitzen“, Eine explorative Studie über die Erwerbssituation und die Karriereambitionen der Absolventinnen Medienmanagement, Daniela Schaaf, Hannover 2003, www.karriere-news.de schaaf@karriere-news.de

Frauen in der Medienwirtschaft, Frank Rehberg, Ursula Stöger, Detlev Sträter, BLM-Schriftenreihe, 2002

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