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Literatur: Rezensionen
Präzision und Handwerk - wenn Fachjournalisten über Fachjournalismus ein Buch schreiben
Der UVK Medienverlag hat in Kooperation mit dem Verband der Fachjournalisten das Handbuch „Fachjournalismus – Expertenwissen professionell vermitteln“ veröffentlicht.

Die Bertelsmannstiftung hat jüngst einen steigenden Bedarf an Wissenschaftsjournalisten festgestellt. Und in der Tat: wer sich in die nächste Bahnhofsbuchhandlung begibt, sieht sich einer fast unüberschaubaren Menge an Spezialzeitschriften zu allen erdenklichen Themen gegenüber. Börse, Mode, Sport, Haus und Garten, Kochrezepte, Wein, Musik, Kunst, Jugend und - neuerdings - auch Alter, Hobbys aller Art wie Eisenbahnen oder Münzen, Natur, Lebensberatung, Religion... Neben Publikumsmagazinen werden wissenschaftliche Fachzeitschriften angeboten. Und überall werden FachjournalistInnen benötigt, die Experten-Kenntnisse und journalistisches Handwerk mitbringen.

Schreiben in der Fachpresse

Wie es sich für ein strukturiertes Arbeiten gehört, klären V. Tiberius und R. Teichmann zunächst die Frage: Wer ist überhaupt Fachjournalist/in? Zwei Typen haben die Autoren ausgemacht. Da ist zunächst der Wissenschaftler, der über sein Fachgebiet publiziert, im Hauptberuf jedoch Forschung betreibt. Solche Publizisten schreiben in Fachmagazinen, für andere Wissenschaftler, und gelegentlich in Publikumszeitschriften. Davon abzugrenzen sind Fachjournalisten, die wissenschaftliche Themen allgemein verständlich, eben für Laien aufbereiten. Fachjournalismus sei nicht tagesaktuell, erläutern Tiberis/Teichmann , sondern erkläre und interpretiere Entwicklungen des jeweiligen Sachgebietes. Im Gegensatz dazu griffen Allround-Journalist/innen aktuelle Themen und Probleme auf, die für das Publikum von Interesse sein könnten.

In „Fachjournalismus“ wird die selbstbewusste These aufgestellt, der Fachjournalismus sei erfolgreich, sogar mit steigender Tendenz, während sich der Allround-Journalismus bekanntlich in einer Krise befände. Th. Burska-Erler und K. Paulus charakterisieren die Fachpresse als „stille Größe in der Zeitschriftenlandschaft“. Rund 470 Verlage mit 3563 Titeln wurden im Jahr 2002 gezählt. Mit 464 Millionen Exemplaren und 1,887 Milliarden Euro Jahresumsatz sind diese Publikationen mehr als eine Randerscheinung auf dem Medienmarkt. Hinzu kommen weitere Veröffentlichungen, Beiträge in Radiosendungen oder Publikumszeitschriften, Fachbücher. Ein interessantes Arbeitsfeld also mit wachsenden Beschäftigungsperspektiven.

Handwerk und Praxisfelder

Da sich die Neuerscheinung sowohl an publizierende Experten wie auch an Journalisten wendet, ist das Themenspektrum weit gespannt. Da geht es zum einen um eine grundsätzliche Einführung in das journalistische Arbeiten, zum anderen um spezifische Fragestellungen im Bereich der Fachpresse.
Nach einem allgemeinen Überblick über Tätigkeitsprofile und die Fachmedien werden Fragen des journalistischen Handwerks aufgegriffen, z.B. durch eine Darstellung der kommentierende Textgattungen. Im vorliegenden Sammelband können dazu nur komprimierte Hinweise gegeben werden. Für das gründlichere Studium empfehlen sich sicherlich Einführungen, wie sie etwa bei UVK (Schriftenreihe Praktischer Journalismus) oder im List-Verlag (Reihe Journalistische Praxis) erschienen sind.
Fachjournalistisch spezifischeren Fragestellungen widmet sich der Abschnitt über die Veröffentlichung von Fachbeiträgen und greift Fragen auf wie: Sind Online Content Syndication Systeme nützlich bei der Vermarktung? Welche Rolle spielen Literaturagenturen?
Das Buch stellt ausgewählte Praxisfelder vor, darunter PR und Marketing, Fachjournalismus im Radio. Dabei wird auch die Entwicklung skizziert, etwa in der lesenswerten "Geschichte des Wissenschaftsjournalismus" von W.Goede. Abschließend werden dann rechtliche Aspekte des Fachjournalismus behandelt, z.B. Steuerrecht, Arbeitsrecht, das Recht der Zweitverwertung.
Insgesamt 35 Autorinnen und Autoren bieten so einen Einblick in den breit gefächerten Arbeitsbereich.

Das Buch wendet sich sowohl an Wissenschaftler, die ihre Themen journalistisch aufbereiten möchten, als auch an Journalisten, die sich fachlich spezialisieren wollen. Beiden Zielgruppen liefert der Band viele nützliche Informationen. Einsteiger finden einen praxisnahen Überblick über das Berufsfeld und die dort geltenden Spielregeln. Eine sinnvolle Ergänzung der Schriftenreihe.
Der Herausgeber wird übrigens Ende des Jahres 2004 einen Fernstudiengang Fachjournalismus anbieten. (Anne Schulz)

Deutscher Fachjournalisten-Verband (Hg.), Fachjournalismus, Expertenwissen professionell vermarkten, UVK Verlagsgesellschaft Konstanz, 2004, ISBN 3-89669-415-4, 358 Seiten, 24,90 Euro

www.uvk.de

www.list-verlag.de

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