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Meldung
Buch trifft Film
Frankfurt - Die Buchmesse 2004 bietet im Forum "Film + TV" eine Gesprächsplattform für Verleger und Filmproduzenten, Filmfans und Agenten. Ein Thema sind crossmediale Kooperationen.

"Alle Filme waren Bücher...", heißt es selbstbewusst in der Ankündigung. Lassen wir mal beiseite, ob das wirklich so stimmt - es gibt jedenfalls viele Gründe, wieso sich Film- und Buchbranche zusammensetzen sollten. Ein Grund: es geht immer um Stoffe, um gute Ideen und deren Präsentation. So versteht sich die Buchmesse auch als "Fundgrube" für Filmstoffe. Erstmals wurde nun ein eigenständiges Agentenzentrum eingerichtet, um Filmstoffe zu handeln. Auch informelle "Meet the Authors"-Treffen dienen dem Zweck, Kontakte anzubahnen. In einer ergänzenden Ausstellung können die Besucher neu erschienene Bücher über Filmgenres, Regisseure, Filmgeschichte einsehen.

Aber nicht nur die Verlage, auch die Filmproduzenten präsentieren ihre Produkte. Im Kinosaal der Twentieth Century Fox werden Previews gezeigt, an den Ständen DVDs vorgestellt. Man möchte den Buchhandel dafür begeistern, verstärkt geeignete DVDs ins Sortiment aufzunehmen, etwa Literaturverfilmungen. Bei der Verleihung des hessischen Film- und Kinopreises zeichnete die Buchmesse dann auch, in Kooperation mit der ZEIT, die beste internationale Literaturverfilmung aus. Der Preis ging an "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran".

Es wird jedoch nicht nur präsentiert, es wird auch diskutiert. Ein Workshop-Programm behandelt Kooperationsfragen, wie die Verwertung von Inhalten und ihre rechtliche Absicherung, Produktions- und Finanzierungsfragen oder Adaptionen.

Crossmediale Strategien

"Auf dem Weg zum crossmedialen Ansatz? Entwicklungen und Trends bei Kooperationen der TV- und Verlagsbranche" lautete ein Thema am Donnerstag, 7.10.2004. Moderiert von Georgia Tornow, Generalsekretärin von film20, wurde über gelungene Projekte und deren Voraussetzungen diskutiert. Bodo Horn-Rumold vom Baumhaus-Verlag berichtete über die Produktionsgeschichte von "Lauras Stern". Genau vor acht Jahren habe der Autor ihnen just auf der Buchmesse die ersten Zeichnungen gezeigt. Es folgte: die erfolgreiche Buchveröffentlichung, eine mehrteilige Fernsehserie und nun im Herbst 2004 der Kinofilm. Wichtig sei dabei gewesen, immer alle Beteiligten "mitzunehmen", so dem Autor die langwierigen Rechteverhandlungen zu erläutern.
Das konnte Sabine Eckhardt, die mit der Vermarktung von Lizenzen bei der Pro7/Sat1-Mediagroup betraut ist, nur bestätigen. Ohne eine konzertierte Aktion aller Partner sei kein Erfolg zu erreichen. Besonders wichtig: der gemeinsam abgestimmte Zeitpunkt bei Crossmarketing-Aktivitäten. Als Beispiel konnte Eckhardt die Sesamstraße auf Reisen beisteuern, wo NDR, Kinderkanal und die Bahn erfolgreich kooperiert hätten. Genauso wichtig sei zudem, die geeigneten Partner zu finden, um die Marke nicht zu beschädigen. Kindermarken seien immer auch "Lebenswelten".
Je größer jedoch das Vermarktungspotential, desto mehr müsse ein Verlag auch seine Autoren schützen, betonte Charlotte Larat vom Beltz-Verlag. Denn aus vermeintlichen "Nebenrechten", die unbedacht abgetreten werden, kann sich schnell das Hauptgeschäft entwickeln.

Dass crossmediale Ansätze nicht immer mit Hurrarufen begleitet werden, davon berichtete Dr. Karl Ulrich. Für die Unternehmensberatung Roland Berger hat Ulrich die neu konzipierte Buchreihe der Süddeutschen Zeitung begleitet. Dabei habe sehr viel Misstrauen bei Verlagen und im Buchhandel überwunden werden müssen, die mit Argusaugen das Buchprojekt der Zeitung betrachtet hätten. Allerdings sei von den Süddeutschen Zeitung der Buchhandel von Anfang an mit eingebunden worden - im Gegensatz zu den neuen Buchreihen von FAZ und BILD.

Das letzte Wort hat .. das Publikum

Einig war sich das Podium, dass nicht immer ein Buch der Ausgangspunkt von crossmedialem Denken sein müsse. Es funktioniert inzwischen auch anders herum: Aus einer Zeichentrickfigur, einem Spiel entsteht ein Buch. Dabei sind kreative Entwickler gefragt, die das Potential einer Idee erkennen können. Und alle Beteiligten müssen einen Blick über den eigenen Branchenhorizont wagen. Als Verleger zu Spielwarenmessen gehen oder eben als Filmproduzent zur Buchmesse.

Dennoch - auch da herrschte große Einmütigkeit - gibt es Grenzen für jede, noch so ausgeklügelte Vermarktungsstrategie. Und die bestehen im unwägbaren Publikumsgeschmack. Horn-Rumold wiederholte die alte Veranstalter-Verleger-Produzenten-Weisheit: "Da steckt man einfach nicht drin." und alle nickten heftig. Ob sich also eine Idee durchsetzt oder nicht, entscheide immer noch das Publikum, resümierte Georgia Tornow und das sei ja auch irgendwie tröstlich.

Das Publikum ist bei der Buchmesse, nach den Fachbesuchertagen, nun am Wochenende gefragt und kann sich über Neuerscheinungen informieren oder die verschiedenen Foren besuchen. Die Literatur der Arabische Region - diesjähriger Ehrengast - und "Faszination Comic" sind nur zwei Angebote. Auch im Forum "Film + TV" geht es am Wochenende weiter, Themen sind u.a. Fassbinder, "Heimat 3" von Edgar Reitz aber auch so pragmatische Fragen wie das Untertiteln von Filmen.

Und noch ein Tipp für alle Crossmedia-Interessierten. Die Akademie des Buchhandels, die das Workshop-Programm auf der Buchmesse mitkonzipiert hat, veranstaltet ab November 2004 eine Seminarreihe in München, um Kooperationen zwischen Film- und Verlagsprofis weiter zu fördern.
(Anne Schulz)

www.buchmesse.de
www.buchakademie.de
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