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Meldung
Wie werden Mediengestalter Bild und Ton geprüft?
Hamburg/Bonn - Der Hamburger Prüfungsausschuss berichtet über seine Erfahrungen in "Prüfen in einem neuen Beruf", erschienen als Publikation des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Seit 1996 werden Mediengestalter/innen Bild und Ton ausgebildet, vornehmlich an den großen Medienstandorten. Der Prüfungsausschuss der Hamburger IHK hat seine Erfahrungen nun schriftlich dokumentiert. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses und NDR-Personalleiter Gerald Mechnich schildert die Einführung des neuen Berufsbildes in Hamburg. Wie beim Kölner Modell gab es auch beim NDR eine Vorläuferqualifizierung: Kommunikationselektroniker/in, Fachrichtung Funktechnik mit dem Zusatz Medienproduktion. Nach der Einführung der bundesweit anerkannten Berufsausbildung Mediengestalter/in Bild und Ton mussten zunächst viele kleinere Betriebe "das Ausbilden erst lernen". Auch die Berufsschulen und ihre Lehrer/innen sahen sich vor neue Aufgaben gestellt - deshalb wurden gemeinsame Kurse für Auszubildende, Mitarbeiter/innen und Berufsschullehre/innen durchgeführt. Inzwischen ist die Berufsausbildung erfolgreich etabliert worden. In der Broschüre werden insbesondere Abläufe und Inhalte der Zwischen- und Abschlussprüfungen in Hamburg geschildert.

Aus der Erfahrung der ersten Jahrgänge formuliert Mechnich zwei Kritikpunkte. Zunächst zur Zwischenprüfung, die von einigen Betrieben und ihren Auszubildenden nicht ernst genommen wird: "Mir sind einige Fälle in Erinnerung, in denen Auszubildende zu uns kamen, uns die Hand schüttelten und gleich wieder mit dem Hinweis gingen, dass sie ja jetzt zur Abschlussprüfung zugelassen seien." Das ist für die Prüfer ärgerlich, die in die Vorbereitung der Prüfungen Zeit und Mühe investiert haben. Und zwar ehrenamtlich! Die Auszubildenden versäumen die Gelegenheit, eine Einschätzung des eigenen Leistungsniveaus zu bekommen.

Die zweite kritische Anmerkung betrifft Umschulungsanbieter, die nicht über die erforderliche, professionelle Fernseh- und Hörfunktechnik verfügen und keine betrieblichen Partner haben, denn "den Prüfern und Prüferinnen sind Fälle bekannt, in denen ihnen mitgeteilt wurde, dass in der Abschlussprüfung eine Beschäftigung mit einem leistungsfähigen professionellen Grafikcomputer ausreichen muss, um das Prüfungsfach Bild- und Tongestaltung zu bestehen. Die Hamburger Prüfungsausschüsse haben dazu eine völlig andere Auffassung." Mechnich betont, dass er Umschulungen nicht per se ablehnt. So könne jedoch keine qualifizierte und erfolgreiche Ausbildung gewährleistet werden.

Aufgrund dieser Erfahrungen und da nichts so gut ist, dass es nicht noch besser werden könnte, schlagen die Autor/innen einige Veränderungen der Berufsausbildung Mediengestalter/in Bild und Ton vor:
  • Umbenennung in Mediengestalter/in Bild- und Tontechnik, um die Technikorientierung hervorzuheben
  • Höhere Gewichtung der Arbeitsprobe bei der Prüfung
  • Präzisierung, was unter der Prüfungsstückvariante "Multimediaprodukt" gemeint ist
  • Funktionsänderung der Zwischenprüfung, bzw. Einführung der gestreckten Abschlussprüfung und Veränderung der Prüfungsfächer. Damit soll die Zwischenprüfung aufgewertet und ein "Leistungsanreiz" für die Auszubildenden erzielt werden.

Die sogenannte gestreckte Anschlussprüfung wird übrigens derzeit bei den neugeordneten industriellen Elektroberufen erprobt. Die Abschlussprüfung wird zweiteilig abgelegt: Teil 1 findet nach 18 Monaten statt, Teil 2 am Ende der Ausbildung. Die alte Zwischenprüfung entfällt.

Der Band ist eine interessante Lektüre für alle, die sich beruflich mit der Ausbildung in den neuen Medienberufen auseinander setzen, wie Prüfungsausschussmitglieder, Expert/innen der Bildungsplanung, Berufsschullehrer/innen oder auch Ausbilder/innen in den Betrieben.

Gerald Mechnich, Margit Ebbinghaus, Prüfen in einem "neuen" Beruf, Mediengestalter / Mediengestalterin Bild und Ton, Schriftenreihe des Bundesinstituts für Berufsbildung, W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld, 2003, 64 Seiten, ISBN 3-7639-1001-8, 7,90 Euro

Weiterführende Links:


www.wbv.de W. Bertelsmann Verlag

www.bibb.de Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn

AIM hat in Kooperation mit Michel Medienforschung und Beratung die Einführung der neuen Berufe Mediengestalter/in Bild und Ton bzw. Film- und Videoeditor/in im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung evaluiert, bisher liegt der vorläufige Abschlussbericht vor.

(Anne Schulz)
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