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Meldung
Biographieforschung auf gehobenem Niveau
Köln - Der WDR-Intendant und ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen referierte zum Start der Ringvorlesung "Medienberufe" in der Kölner Universität.

Der Hörsaal XXV erwies sich als zu klein für das zahlreich erschienene Publikum, also wurde die Vorlesung kurzerhand ins Auditorium maximum verlegt. Nach der Begrüßung durch den Rektor der Universität, Prof. Dr. Tassilo Küpper, und Prof. Dr. Irmela Schneider vom Institut der Theater- Film- und Fernsehwissenschaften, begann Pleitgen die Vorlesung mit einigen grundsätzlichen Bemerkungen, die ihm offenkundig fleißige Helfer aufgeschrieben hatten. Medienberufe übten auf Jugendliche eine große Faszination aus, doch würden 99% der Tätigkeiten nicht vor, sondern hinter der Kamera stattfinden. Nur wenige Beschäftigte seien Journalisten und natürlich erhielte kaum einer die Chance, Intendant zu werden. Der WDR habe im Lauf der Zeit insgesamt 250 Journalistinnen und Journalisten ausgebildet, die ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen mussten.

Nach diesen einschränkenden Vorbemerkungen widmete sich Pleitgen allerdings genau dem Thema, das er zuvor als reine Ausnahme beschrieben hatte, ihm aber naturgemäß am vertrautesten ist. Jetzt frei sprechend und launig schilderte er seine eigene Karriere: den Beginn als 14-jähriger Sportreporter in der Provinz, das Volontariat bei derselben Lokalzeitung, den Ruf zum WDR, Korrespondetentätigkeiten in Moskau, Ost-Berlin und Washington. Dazwischen gestreut Anekdoten über Adenauer und Havemann, eine Einschätzung der Entspannungspolitik unter Brandt und die Wirkung der Studentenbewegung auf die Medien.
Das Publikum erfuhr, dass Deutschland nicht nur einen ehemaligen Taxifahrer als Aussenminister besitzt, sondern der WDR auch einen Intendanten ohne Abitur. Dass Pleitgen und seine Ehefrau vier Kinder haben - und es ohne Korrespondetenjob auch acht hätten werden können. Sicherlich instruktive Insider-Informationen. Dabei wiederholte Pleitgen mehrfach, dass eine solche Karriere heute nicht mehr möglich und in keiner Weise repräsentativ wäre. Fraglich, welche Schlüsse die Studierenden daraus ziehen sollen.

Ein paar abschließende Anmerkungen über den amerikanischen Investigations-Journalismus, die Rolle der Medien in Zeiten des Krieges und fertig war Teil eins der Ringvorlesung. Die wenigen Nachfragen von Studentinnen bezogen sich dann meist auf die ethische Verantwortung der Journalisten und die aktuelle Bericherstattung.

Das Fazit nach anderthalb Stunden: als Vortrag "Menschen in den Medien" hätte die Vorlesung sicherlich getaugt, unter "Medienberufe" war sie falsch platziert. Bleibt zu hoffen, dass die zuvor erwähnten 99% anderen Berufe bei den nächsten Terminen vorgestellt werden.
Allen, die Informationen zur Ausbildung beim WDR suchen, sei im Übrigen die Broschüre "Ausbildung im WDR, Voraussetzungen und Chancen" empfohlen: www.wdr.de (as)

26.10.2001
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